Bernburg

Bernburg

Von Karin Weigt


In Bernburg pachtete im Jahr 1836 ein Herr von Kemnitz die Schlossdomäne unter der Bedingung, dort eine Zuckerfabrik errichten zu dürfen. Seine Teilhaber waren die beiden Magdeburger Kaufmänner Jean Jacques Cuny (1795–1843) und sein Schwager Eduard Ursinus. 1837 wurde mit dem Bau der Zuckerfabrik an der Saale begonnen. J. J. Cuny, in dessen alleinigen Besitz die Fabrik später überging, war in Magdeburg gemeinsam mit seinem Onkel zugleich Inhaber der Firma „Cuny Sohn & Co, Waren-, Kommissions- und Speditionsgeschäft, Grüne Seifen-Fabrik, Handlung russischer Produkte“.

Er wirkte ferner auch als Stadtrat und Erster Vorsteher der Kaufmannschaft (1837–1843), war Vorsitzender des 1835 gegründeten Eisenbahn-Komitees sowie späterer Direktor der Magdeburg-Leipziger Eisenbahngesellschaft. Überdies zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Magdeburger Dampfschifffahrts-Compagnie (1837).

Obwohl die Anfangszeit seiner Zuckerfabrik mit wirtschaftlichen Verlusten verbunden war und zu Grundstücksverkäufen und der Magdeburger Geschäftsaufgabe führte, konnte die Fabrik im Jahr 1857 immerhin 250 Arbeiter beschäftigen. Somit gehörte sie zu diesem Zeitpunkt zu den größten industriellen Betrieben der Stadt. Im Jahr 1859 findet die Firma in einem Referenzschreiben an die Maschinenfabrik Hertel & Co in Nienburg/Saale als „Rohzuckerfabrik und Raffinerie“ Erwähnung, erzeugte also sowohl Roh- als auch Weißzucker.

In den Jahren 1862 und 1873 war die Zuckerfabrik Cuny & Co. auf der 3. Weltausstellung in London und der 5. Weltausstellung in Wien vertreten. Auf letzterer erhielt sie ein „Anerkennungsdiplom“. 1850 schlossen sich die Rübenzucker produzierenden Betriebe zu einem der ersten Industriebetriebe in Deutschland, dem „Verein für die Rübenzuckerindustrie im Zollverein“, zusammen, um ihre wirtschaftspolitischen Interessen besser vertreten zu können. Der Beitritt der Zuckerfabrik Cuny & Co ist für 1870/1871 belegt. Die Stilllegung des Werkes erfolgte nach 60 Jahren im Jahr 1897.

Info

Zucker aus Rüben – Ein „Kraftstoff“ der Moderne: Informationen zur Ausstellung, mit Beiträgen von Anja Bel, Frank Kreißler, Jana Müller, Bernhard Post und Karin Weigt

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